Oft wird noch in vielen Büchern ein Wochenplan mit sechs Tagen Training publiziert. Oft beginnen viele Läufergespräche mit der Frage:“Wie viele Läufe (wie viele Kilometer) hast du diese Woche gemacht?“ Dahinter steckt die implizite Annahme, dass der Umfang mehr zählt als die Intensität. Dabei gilt schon länger Qualität statt Quantität. Schnell zu laufen ist wichtiger, als Laufkilometer zu sammeln. Je höher die Intensität, desto höher der Trainingseffekt. Dies gilt übrigens auch, wenn ein höheres Tempo gar nicht das Ziel ist. Harte Workouts können dann trotzdem für Jeden interessant sein, weil sie die Wirkung von moderaten Einheiten steigern. Ihr Kalorienverbrauch ist höher, die Fettverbrennung optimiert sich, die Ausdauer steigt, ebenso die maximale aerobe Kapazität – die übrigens der beste einzelne Indikator für ein langes Leben ist.
Die Lösung, welche von Sportmedizinern und Personal Trainer ausgearbeitet wurde, für optimale Leistungsverbesserung und alltäglicher Integrität sieht folgendes Grundprogramm vor: drei Läufe von hoher Qualität mit einem definierten Tempo plus zwei Crosstrainingstage. Natürlich sind nicht nach einer Woche signifikante Leistungsverbesserungen zu erwarten. Ein Zeitraum von 16 Wochen mit kontinuierlichem Training muss eingeplant werden, um messbare Ergebnisse zu erhalten. Aber dann ist der Knoten geplatzt und die Fakten beflügeln.
Die Formel „drei konzentrierte Laufeinheiten plus Ausgleichstraining“ ist nämlich ein guter Schutz gegen Übertraining, Burnout und Überlastungsschäden. Sie ist effizient und flexibel zugleich, sie erlaubt Läufern ihre Ziele zu erreichen, ohne Job, Gesundheit, Familie und Freunde aufzugeben.
Das Trainingsprogramm verteilt die Trainingsreize auf drei spezifische Läufe: Intervalltraining, Tempodauerlauf und langer Lauf. Zusammen verbessern sie die Parameter der läuferischen Leistungsfähigkeit: die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2 max), den Laktatstoffwechsel und die Laufökonomie. Aber sie tun es in unterschiedlicher Weise.
Die Intervalle dienen vornehmlich der VO2 max, verbessern die Fähigkeit des Körpers Leistung unter Sauerstoffaufnahme abzugeben und der Laufökonomie, verringern also das Sauerstoffvolumen, das für ein bestimmtes Lauftempo nötig ist.
Tempodauerläufe lehren den Körper, länger schnell zu laufen und das dabei anfallende Laktat zu nutzen, anstatt es zu akkumulieren und die Muskeln zu übersäuern.
Der lange Lauf schließlich, im hiesigen Trainingsprogramm ein wenig schneller als üblich, bildet die Ausdauerbasis.
Weil jeder Lauf ein spezifisches Ziel hat, braucht man nicht mehr Kilometer abzuspulen. Das würde ein höheres Verletzungsrisiko bedeuten. Diese Zeit ist zur Erholung zu nutzen. Dabei kann man auch gerne aktive Erholung betreiben – in anderen Disziplinen. So sind aus fachmännischer Sicht (Sportmediziner, Sportphysiotherapeuten, Personal Trainer) z.B. 1500 Meter Schwimmen, 30 Kilometer Radfahren oder andere 30 – 60 Minuten dauernden aeroben Aktivitäten zu empfehlen. Diese Aktivitäten erlauben es den Laufmuskeln zu entspannen, während gleichzeitig weiter an der Fitness gefeilt wird. Dieser Trainingsansatz hilft Jedem Müdigkeit, Langeweile und Überlastung zu vermeiden. Um voll von dem Trainingsprogramm zu profitieren, ist es wichtig, alle fünf Einheiten zu absolvieren. Aber noch wichtiger ist es, das angegebene Tempo zu halten. Wer zu schnell ist wird die Einheit nicht schaffen und wer zu langsam ist wird nicht die volle Rendite genießen.
Noch ein abschließender Tipp vom Personal Trainer, bevor es ans Eingemachte geht. Wer Probleme damit hat sein Tempo oben zu halten (20 sec.über dem Wettkampftempo), der sollte das Tempo variieren, so dass man die Einheit einigermaßen konstant durchhält. Es ist besser Intervalle zu laufen, anstatt die Ersten deutlich schneller als die Letzten. Die aktiven Regenerationseinheiten sollten auf einer Skala von 1 (leicht) bis 5 (sehr anstrengend) gefühlt bei 3 liegen. Die Regenerationseinheiten sollten Low-Impact-Einheiten beinhalten, also nichts was auf die Gelenke und Sehnen geht und diese über Gebühr strapaziert.